‘‘Mojito? You should try it.’’ sagte Bond – Teil 2

Der Ursprung und die erste Methode

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‘‘Der Mojito ist ein einfaches Getränk, das höchstwahrscheinlich im neunzehnten Jahrhundert als Favorit eines Landarbeiters begann – Minze, Zucker und Limette könnten die Aufmerksamkeit eines Trinkers von der einzigartigen Bosheit billigen Rums ablenken – und an die Strände von Havanna abwanderte.’’ So Curtis in seinem Buch And a bottle of Rum, S.239.

Die Erklärung ist so plausibel wie auch einfach verständlich und visualisiert den Ursprung des Mojito. Die Methode zur Herstellung eines Mojito bringt uns ebenfalls zurück auf das Land. Ich greife hier bewusst auf die folgenden zwei Bücher zurück.

Wayne Curtis beschreibt, dass der Mojito auch als kubanischer Mint Julep bezeichnet wurde, wie in dem Textauszug erkenntlich ist.

Rum Collins with Minth & Cuban Mint Julep, Wayne Curtis, And a Bottle of Rum

Dies bringt mich auf das erste Buch von Stanley Clisby Arthur, Famous New Orleans Drinks and how to mix’em.

Aus der Literatur folgere ich, dass der Weg des Mojito in San Domingo mit dem ursprünglichen Mint Julep beginnt. Hier ist vor allem Stanley’s Rezeptur aus dem Jahr 1939 hervorzuheben, in der er den ursprünglichen Mint-Julep, den San Domingo Julep, und die historischen Ereignisse beschreibt.

‘‘Dies scheint der ursprüngliche Mint-Julep zu sein, der 1793 nach Louisiana kam, als sich die weißen Aristokraten, die durch den Aufstand der Schwarzen aus San Domingo vertrieben wurden, in New Orleans niederließen. In den Vereinigten Staaten, insbesondere in den Staaten südlich der Mason- und Dixon-Linie, trat Bourbon-Whisky allmählich an die Stelle von Zuckerrohr-Rum als Geist des Getränks.’’ S. 31

Die Zutaten sind wie im Bild angegeben:

San Domingo Julep, Famous New Orleans Drinks and how to mix’em, Stanley Clisby Arthur S.31

‘‘ 1 Stück Zucker, 1 ½ Jigger Rum, Minzzweige. In ein hohes Glas den Zucker fallen lassen und mit etwas Wasser anfeuchten. Nehmen Sie mehrere Minzblätter dazu und zerdrücken Sie sie mit dem Barlöffel. Mit fein zerkleinertem Eis füllen. Rum einfüllen. Rühren Sie, und vor dem Servieren einen Strauß Minzblätter darauflegen. Eine Orangenschalenscheibe zum Garnieren ist schick, aber nicht unbedingt notwendig.’’

Man kann an diesem Punkt davon überzeugt sein, dass der San Domingo Julep tatsächlich der Urpsrung des Mojito-Stammbaums ist. Die Methode, Minze und Zucker im Glas zu pressen, wird heute noch für die Mischung des karibischen Highballs angewandt. Doch wie kam das Sodawasser in den Mojito?

Hier wende ich mich zum zweiten Buch: The Bartender’s Guide von Jerry Thomas im Jahr 1887. Jerry Thomas oder auch bekannt als The Professor, war einer der Gründerväter, der die Barkultur im 19. Jahrhundert formte und mit seinen Büchern über klassische und ausgefallene Cocktails prägte.

Nachdem der San Domingo Julep im Jahr 1793 nach Louisiana einwandert, schreibt Jerry Thomas‚ ‘‘In einer Zeitung aus Georgia zu diesem Thema, […] wir kennen mehrere altmodische Gärten, in denen das Minzbett unter der Südwand noch üppig blüht; Hier kommen jeden Tag um diese Jahreszeit weiße Finger von Haushaltsengeln und pflücken ein paar Zweige des aromatischen Krauts, um einen Julep zu bilden. In einem solchen Haushalt ist die Kunst noch erhalten. Mit hochgekrempelten Ärmeln rührt die rosige Enkelin Zucker in ein paar Esslöffel Sprudelwasser, packt zerstoßenes Eis in den schweren Glasbecher, gießt den milden Whisky ein […] und stößt die Minzzweige vorsichtig in die enge Passage zwischen dem crushed Eis und Glas.’’ S.29

Daraus und aus der Verfügbarkeit von Sodawasser abgeleitet, entwickelt sich der Mojito später auf Kuba weiter und damit auch die erste Methode, den Highball vorzubereiten. Statt zum Whiskey, greifen wir bei der Zubereitung zum Rum, bevorzugt Bacardi oder einen andereren Rum eurer Wahl. Parallel dazu muss ich auch erwähnen, dass während der Prohibition, in anderen Worten Alkoholverbot, in den USA von 1920 bis 1933, viele Amerikaner den Rum in Kuba als ihre Alternative zum Whiskey genossen.

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Die Limette ist kein Fremder in Lateinamerika, denn Limetten waren reichlich in Kuba vorhanden und werden in der Kulinarik, z.B. bei Cevice, gerne verwendet. Daher ist es nachvollziehbar, dass diese auch in vielen südamerkanisch inspirierten Drinks, wie dem Caipirinha, Daiquiri und natürlich auch dem Mojito, verwendet werden. Ich zitiere Curtis ‘‘Es kombiniert Schichten von süß und sauer, leicht kompliziert mit Minze. Es ist Sommer in einem Glas.’’ And a bottle of Rum S. 5.

Die zweite Methode

Die zweite Methode des Mojito variiert, indem er in einem Collins Glas vorbereitet wird. Hierzu möchte ich den Bartender und Geschäftsführer Jose Abeal Y Otero hervorheben. Er wanderte im Jahr 1904 von Spanien nach Kuba ein und eröffnete dort, laut Nigel Hunt, der sich mit der Geschichte und Restoration mit dieser Bar beschäftigte, um 1920 die Sloppy Joe´s Bar. Wer mehr über die Sloppy Joe´s Bar erfahren will und warum diese Sloppy Joe hieß, kann es den ersten Seiten des Bar Buches entnehmen.

Charles Baker Henry, Autor von The Gentleman´s Companion erzählt von seiner Entdeckung des ‘‘Sloppy Joe´s Mojito, welches ein Bacardi Collins sei, …es ist ein verbesserte Rum Collins…’’ S. 76

Sloppy Joes Bar Book 1933, Jose Abeal Y Otero

Die Rezeptur beschrieb er wie folgt:

‘‘Geben Sie mehrere Eisklumpen in ein 16-Unzen-Collins-Glas, werfen Sie 1 TL Zucker oder Gomme hinein, legen Sie eine spiralförmige grüne Limettenschale um das Eis und geben Sie 11⁄2 Jigger Bacardi hinzu. Weiß oder Gold Seal und der abgesiebte Saft von einer kleinen grünen Limette – keine Zitrone. Einmal umrühren, mit wirklich guter Limonade füllen und mit einem Haufen frischer Minze garnieren. . . . Wenn für eine Frau, Grenadine anstelle von Zucker verwenden.’’
S. 76

Bei der zweiten Methode des Mojito wird keine Minze im Glas zerdrückt, um das minzige Aroma herauszulocken, sondern nur als Garnitur gesetzt. Statt crushed Eis verwendet man passende große Eisklumpen oder Eiswürfel, heutzutage auch Eiskugeln.

Ich persönlich bevorzuge die erste Methode, bestreite jedoch nicht die zweite, da die Entwicklung des Collins einiges zur Geschichte und Kultur der Bar beigetragen hat. Ich schätze vor allem die Möglichkeiten, die beide Methoden bei der kreativen Eigenentwicklung von Getränken bieten.

Meine Begegnungen mit Mojito

Während meiner Zeit in Dubai spielte ich bei Gelegenheit mit dem Mojito, in der Jetty Lounge und der Rooftop Bar, um ihm neuen Charakter zu verleihen. Beispielsweise der Kokos Mojito, den ich für das CHANEL Cruise Collection Pop-up Event 2016/2017, kreierte.

Bild von Shreyas Rao, Kokos Mojito Chanel Cruise Collection Launch

In Zusammenarbeit mit Bacardi und Fevertree kreierte ich eine Reihe aromatisierter Mojitos mit hausgemachten Sirups und frischen Früchten, wie z.B. Granatapfel, Ananas oder Maracuja Mojito und viele mehr, wie auf den Bildern des Menüs zu sehen ist.

In Deutschland, in der Newman´s Bar Ritz Carlton, hatte ich das Vergnügen, den Grapefruit Mojito mit dem Mount Gay Rum aus Barbados anstatt eines kubanischen Rum zu kreieren.

Zum Schluss möchte ich noch eine Technik zum Aufbau des Mojito von Tristan Stephenson präsentieren. Ich schließe mich ihm an, da ich diese Art der Zubereitung genau so von einem waschechten 60-jährigen Kubaner während meiner Zeit hinter der Bar in Miami gelernt habe.

‘‘Nehmen Sie einen Highball und werfen Sie die Minzblätter hinein. Bitte klatschen Sie sie nicht, wie es das Ritual einiger Cocktailhersteller ist – dabei aromatisieren Sie lediglich Ihre Hände. Die Minzblätter vorsichtig mit einem Muddler im Highball Glas zerdrücken. Es ist wichtig, dass Sie sanft sind. Wenn Sie die Blätter stark zerdrücken, wird bitter schmeckende Öle in das Getränk freigesetzt. Den Rum eingießen und gut umrühren, dann den Limettensaft und den Zucker hinzufügen. Schütten Sie Crushed Ice hinein (Sie können gewürfeltes benutzen, aber Crushed Ice verwenden, um ein weitaus besseres Aussehen zu erzielen) und geben Sie der Mischung mit einem langen Löffel einen guten aufwühl. Geben Sie mehr crushed Eis darauf, rühren Sie es erneut um und füllen Sie dann mit Soda auf. Nochmals umrühren, mehr Eis hinzufügen (falls erforderlich) und dann mit einem Limettenschnitz und einem frischen Zweig Minze garnieren. Mit einem Strohhalm trinken.’’ The Curious Bartender´s Rum Revolution, S. 539

Quellenverzeichnis

1939 The Gentleman’s Companion Volume II Beeing an Exotic Drinking Book. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1939-The-Gentleman-s-Companion-volume-II-Beeing-an-Exotic-Drinking-Book/X. Accessed 16 Jan. 2021. Sloppy Joe’s Mojito aus dem Rezept Buch The Gentleman’s Companion “Geben Sie mehrere Eisklumpen in ein 16-Unzen-Collins-Glas, werfen Sie 1 TL Zucker oder Gomme hinein, unterstellen Sie eine spiralförmige grüne Limettenschale um das Eis und geben Sie 1,5 Jigger Bacardi hinzu. Weiß oder Gold und der abgesiebte Saft von 1 kleinen grünen Limette – keine Zitrone.
Einmal umrühren, mit wirklich gutem Limonade füllen und mit einem Haufen frischer Minze garnieren. . . .Wenn für eine Frau, Grenadine anstelle von Zucker verwenden. ‘‘Sloppy Joe´s Mojito, welches ein Bacardi Collins sei, …es ist ein verbesserte Rum Collins…’’

Abeal Y Otero, Jose. 1933 Sloppy Joe’s Cocktails Manual. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1933-Sloppy-Joe-s-Cocktails-Manual/12. Accessed 21 Jan. 2021.

Clisby Arthur, Stanley. 1938 Famous New Orleans Drinks and How to Mix’em (3rd Printing) by Stanley Clisby Arthur. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1938-Famous-New-Orleans-Drinks-and-how-to-mix-em-3rd-printing-by-Stanley-Clisby-Arthur/30. Accessed 19 Jan. 2021. ‘‘Dies scheint der ursprüngliche Mint-Julep zu sein, der 1793 nach Louisiana kam, als sich die weißen Aristokraten, die durch den Aufstand der Schwarzen aus San Domingo vertrieben wurden, in New Orleans niederließen. In den Vereinigten Staaten, insbesondere in den Staaten südlich der Mason- und Dixon-Linie, trat Bourbon-Whisky allmählich an die Stelle von Zuckerrohr-Rum als Geist des Getränks.’’ S. 31
‘‘ 1 Stück Zucker, 1 ½ Jigger Rum, Minzzweige. In ein hohes Glas den Zucker fallen lassen und mit etwas Wasser anfeuchten. Nehmen Sie mehrere Minzblätter dazu und zerdrücken Sie sie mit dem Barlöffel. Mit fein zerkleinertem Eis füllen. Rum einfüllen. Rühren Sie, und vor dem Servieren einen Strauß Minzblätter darauflegen. Eine Orangenschalenscheibe zum Garnieren ist schick, aber nicht unbedingt notwendig.’’

Curtis, Wayne. And a Bottle of Rum: A History of the New World in Ten Cocktails. 1st ed, Crown Publishers, 2006. Hunt, Nigel. Sloppy Joes .Org – The History of the Legendary Bar in Old Havana. ‘‘Der Mojito ist ein einfaches Getränk, das höchstwahrscheinlich im neunzehnten Jahrhundert als Favorit eines Landarbeiters begann – Minze, Zucker und Limette könnten die Aufmerksamkeit eines Trinkers von der einzigartigen Bosheit billigen Rums ablenken – und an die Strände von Havanna abwanderte.’’ So Curtis in seinem Buch And a bottle of Rum, S.239.
Rum Collins with Minth & Cuban Mint Julep, Wayne Curtis, And a Bottle of Rum
, S.5

http://www.sloppyjoes.org/history.htm. Accessed 21 Jan. 2021.

Stephanson, Tristan. The Curious Bartender´s Rum Revolution. Ryland Peters & Small, 2017. ‘‘Nehmen Sie einen Highball und werfen Sie die Minzblätter hinein. Bitte klatschen Sie sie nicht, wie es das Ritual einiger Cocktailhersteller ist – dabei aromatisieren Sie lediglich Ihre Hände. Die Minzblätter vorsichtig mit einem Muddler im Highball Glas zerdrücken. Es ist wichtig, dass Sie sanft sind. Wenn Sie die Blätter stark zerdrücken, wird bitter schmeckende Öle in das Getränk freigesetzt. Den Rum eingießen und gut umrühren, dann den Limettensaft und den Zucker hinzufügen. Schütten Sie Crushed Ice hinein (Sie können gewürfeltes benutzen, aber Crushed Ice verwenden, um ein weitaus besseres Aussehen zu erzielen) und geben Sie der Mischung mit einem langen Löffel einen guten aufwühl. Geben Sie mehr crushed Eis darauf, rühren Sie es erneut um und füllen Sie dann mit Soda auf. Nochmals umrühren, mehr Eis hinzufügen (falls erforderlich) und dann mit einem Limettenschnitz und einem frischen Zweig Minze garnieren. Mit einem Strohhalm trinken.’’ The Curious Bartender´s Rum Revolution, S. 539

Thomas, Jerry. 1887 The Bar-Tender’s Guide. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1887-The-bar-tender-s-guide/28/. Accessed 20 Jan. 2021. ‘‘In einer Zeitung aus Georgia zu diesem Thema, […] wir kennen mehrere altmodische Gärten, in denen das Minzbett unter der Südwand noch üppig blüht; Hier kommen jeden Tag um diese Jahreszeit weiße Finger von Haushaltsengeln und pflücken ein paar Zweige des aromatischen Krauts, um einen Julep zu bilden. In einem solchen Haushalt ist die Kunst noch erhalten. Mit hochgekrempelten Ärmeln rührt die rosige Enkelin Zucker in ein paar Esslöffel Sprudelwasser, packt zerstoßenes Eis in den schweren Glasbecher, gießt den milden Whisky ein […] und stößt die Minzzweige vorsichtig in die enge Passage zwischen dem crushed Eis und Glas.’’ S.29

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